Der Feierabend-Knopf
Ein kleines Ritual, das meinem Kopf sagt: Jetzt ist wirklich Schluss für heute.

Björn • 10. September 2025

Es ist kurz vor sechs. Der Arbeitstag war voll – fünf Meetings, drei Aufgaben verschoben, im Kopf dreht sich noch alles um das, was morgen ansteht. Ich klappe den Laptop zu, gehe ins Wohnzimmer – und Florian steht mit einem Pflaster in der Hand vor mir: "Papa, ich brauche Hilfe!"
Und ich merk in dem Moment: Ich bin zwar da, aber eigentlich noch nicht angekommen.
An der Zeit zwischen Feierabend und Familie liegt's eigentlich nicht. Ich hab meinem Kopf schlicht nie gesagt, dass jetzt wirklich Schluss ist. Kein Gong, kein Meditationskissen, nichts Kompliziertes. Nur irgendein kleiner Moment, der signalisiert: fertig für heute. Ich hab irgendwann angefangen, das bewusst zu machen, und nenne es für mich den Feierabend-Knopf.
Wie meiner aussieht
Bei mir ist es Musik. Ein Song, den ich mir am Anfang der Woche aussuch und der mich für ein paar Tage begleitet. Sobald der Laptop zu ist, läuft er – meistens während ich in die Küche geh und mir was zu trinken hole. Drei, vier Minuten, in denen ich nichts anderes mach als zuhören.
Funktioniert bei mir vor allem, weil es immer exakt gleich abläuft. Mein Kopf hat gelernt: Wenn der Song läuft, ist der Arbeitstag vorbei – auch wenn im Postfach noch was liegt.
Der Grund dahinter
Ich glaub, unser Gehirn mag klare Zustände: an oder aus, Arbeit oder Feierabend. Im Homeoffice mit Kind verschwimmt das aber ständig. Ohne einen bewussten Übergang läuft der Kopf im Hintergrund einfach weiter – man ist körperlich zuhause und gedanklich noch im letzten Call.
Es muss nicht Musik sein. Ein Kollege von mir macht das mit einer Kerze, die er ausbläst. Eine Freundin von Moni schreibt sich abends drei Sätze auf: was heute lief, was liegen bleibt, was morgen dran ist. Wichtig ist eigentlich nur, dass es sich immer gleich anfühlt – kurz, machbar, wiederholbar.
Seit ich das mache, ist der Übergang zu Florian und seinem Pflaster nicht mehr ganz so hart. Ich bin nicht sofort ganz da, aber deutlich schneller als vorher. Und manchmal reicht das schon.

Geschrieben von Björn.
Führungskraft. Familienmensch.
Gründer von einfach produktiv.


